#erzogenoderdochunerzogen – Erziehungsstile durchbrechen | Ich folge meinem Herzen

Hallo meine Lieben Leserinnen und Leser,

seit Wochen bereite ich einen ewig langen Beitrag über das “Erziehen” und “Nichterziehen” vor. Anlass dazu gaben mir die gerade kursierenden Beiträge über das Thema “Unerzogen“, welche mich teilweise wirklich verärgerten. Mit dem Hashtag #Erzogen wollte ich einen guten, ausgeklügelten Gegenartikel schreiben und allen Zeigen: Ich halte Nichts von Unerzogen. Meine Kinder werden Erzogen.

Bevor ich über dieses Thema schreiben wollte, habe ich mich aber ausführlich damit auseinandergesetzt. Ich habe Beiträge gelesen, Foren durchforstet und mit anderen über dieses Thema gesprochen. Dabei bin ich auf viele merkwürdige Artikel gestoßen. Die mich nur noch mehr in meinem Entschluss einen Gegenbeitrag zu schreiben ermutigt haben.

Ich hatte aber die ganze Zeit das Gefühl, dass etwas entscheidendes bei meinem Beitrag fehlt. Irgendwie fühlte er sich so noch nicht ganz richtig an. Ich habe mich heute Abend mit meiner Freundin Jeannine von Mini and Me unterhalten, die sich ja sehr mit dem Thema “liebevoll Begleiten” auseinandersetzt und ich habe den ganzen, ursprünglichen Artikel wieder auf den Haufen geworfen und mich dazu entschlossen ihn nicht zu veröffentlichen. Mehr noch: Ich schreibe diesen Artikel hier. Weil mir heute Abend eines Bewusst wurde: Ich habe Unerzogen selber falsch verstanden. Schlimmer aber noch. Es verstehen die meisten falsch. Weil das Wort an sich schon polarisiert. Ist Kind das “Unerzogen” aufwächst auch gleichzeitig Ungezogen? Aber bevor ich dazu komme, möchte ich wieder zum Anfang dieses Beitrages zurückkommen.

Ich hasse Erziehungsstile. Ich hasse Bücher mit dem Aufziehen “Unerzogen leben”, “Laissez-Faire” oder “Wie erziehe ich mein Kind?”. Ich hasse bestimmte Stile, an die man sich halten muss, damit man einen richtigen Weg für sich finden kann. Ich hasse es, dass mir Bücher sagen, was ich machen soll, damit mein Kind so oder so wird. Als ob ich eine Bedienungsanleitung für einen Menschen lesen würde. Was soll ich jetzt machen, damit mein Kind später dies oder jenes macht?!

Unerzogen? Oder doch? Oder vielleicht einfach nur liebevoll Begleiten?

Ich habe von Kindern gelesen, die nicht in die Schule müssen, wenn ihnen nicht danach ist. Ich habe von Schulkonzepten gelesen, in denen die Kinder den Unterrichtsstoff bestimmen. Viele davon haben im späteren Leben große Probleme Anschluss im Unileben oder in der Arbeitswelt zu finden. Viele von ihnen haben große Leseschwächen.

Ich habe von Kindern mit verfaulten Zähnen gelesen, weil die Eltern nicht im Stande waren ihren Kindern durch “gewaltfreie Diskussion” – wie sie es nennen – ihnen zu erklären, warum Zähneputzen wichtig ist. Weil das Kind nicht hörte und die Eltern sich nicht im Stande fühlten eine angemessene Lösung zu finden, musste das Kind eben nicht Zähne putzen. Nie.

Ich habe “Kunstwerke” – wie sie es nennen – auf Parkettböden gesehen, weil die Eltern meinten, das fördere die Kreativität der Kinder.

Erziehung wird als Gewalt am Kind bezeichnet. Es wird behauptet, dass das “Kinder erziehen” daran Schuld ist, dass Menschen wie Hitler sich zu Monstern machten.

Aber warum heißt Erziehen gleich Zerstören? Das Kind ihrer Kindheit berauben? Warum wird ein Wort in eine Schublade gesteckt und mit so viel Bösem verbunden? Warum zeigt man auch nicht die Gegenseite? Kennt ihr Billy Graham? Warum zeigt man seine Geschichte, seinen erzogenen Werdegang nicht auf? Warum aber die ganze Nazibewegung mit Erziehen gleichstellen?

Noch schlimmer ist ja, dass “unerzogen” das im Grunde gar nicht aussagt. Es ist das was viele Unwissende daraus machen. Es sind Eltern, die das ganze Konzept daran falsch verstehen und dann Unwahrheiten im Netz weiterverbreiten.

Nach wochenlanger Recherche war ich immer noch verwirrt und bin zu einem Entschluss gekommen: Erziehen ist Gewalt und bringt kleine Hitlers hervor und Unerzogen ist Liebe, dafür machen die Kinder was sie wollen und die Kinder dürfen zu jeder Minute das machen, wonach ihnen ist. Und die Eltern müssen es so hinnehmen. So das Internet. So die Menschen. So die Beiträge. Und es machte mich wütend. Selbst mein Mann fragte mich dann letzte Woche, nachdem ich mich wirklich von all diesen Artikeln stark verwirren ließ: “Aber warum macht dich das Ganze so wütend? Wir machen es doch so, wie wir es für richtig halten?!”

Und hier war der Punkt: Wir machen es so wie wir es für richtig halten. Wie es uns das Herz sagt. Wie wir es als Christen verstehen unsere Kinder zu lieben und ihnen eine wunderschöne Kindheit voller Liebe und Respekt zu schenken.

Deswegen war ich heute an dem Punkt wo ich sage: Weg mit den ganzen Erziehungsstilen.

 

Wie bin ich hierher gekommen?

Ich bin selber sehr streng erzogen worden. Ich muss zugeben, als Kind versteht man viele Dinge noch nicht. Ich habe als Kind vieles nicht verstanden bin aber heute an dem Punkt, an denen meine Eltern meine besten Freunde sind. Bis hierher war aber ein Prozess. Eine lange Entwicklung, bis ich die Dinge so verstanden habe, wie sie sind. Weil man sie als Kind nicht so versteht, wie es die Eltern vielleicht vermitteln wollen.

Ich habe meine Kindheit, die ich in vollsten Zügen genossen angesehen und habe mir Geschichten über die meines Mannes angehört. Ich habe mich damit auseinandergesetzt. Schon bevor ich überhaupt mit dem ersten Kind schwanger war, habe ich mir vorgestellt, wie ich meine Kinder später mal “behandeln” will. Ich habe mir fest vorgenommen: Ich nehme mir das Beste aus beiden Kindheiten her. Aus der meines Mannes und aus Meiner. Und dabei mache ich vieles eben mal ganz anders als meine Eltern, meine Schwiegereltern, Geschwister oder Freunde.

Hierher zu kommen war aber ein langer Prozess. Ich war nicht immer so. Ich war nicht mal im ersten Lebensjahr meines Sohnes so. Ich habe mich weiterentwickelt. Der Mensch wächst mit Erfahrungen, die er macht und es wäre ja schlimm, wenn ich in den letzten Jahren meines Mama-Daseins nichts gelernt habe. Und wer weiß an welchem Punkt ich in weitern drei Jahren sein werde!?

Wenn ich meinen Erziehungsstil – oh wie sehr ich dieses Wort hasse – also beschreiben müsste, dann würde ich keinen passenden Begriff finden. Weil ich nicht in eine Box passe. Ich habe mir – so wie ich finde – das Beste für mich aus jedem Stil rausgenommen. Ich erziehe und begleite mein Kind mit meinem Herzem.

Ich durchbreche jede Art von Erziehungsstilen

Ein Beispiel.

Ich achte sehr auf die Ernährung meiner Kinder. Gesundes Essen ist mir wichtig, weil ich will, dass mein Kind versteht, dass es das ist, was es isst. 😛 Das heißt aber nicht, dass meine Kinder nie Schokolade essen dürfen. Das bedeutet nicht, dass ich ihnen nicht mal Gummibärlis gebe. Es bedeutet, dass meine Kinder verstehen sollen warum gesunde Ernährung wichtig ist. Das bedeutet auch, dass ich es ihnen erkläre. Dass ich es ihnen, wenn nötig, täglich erkläre.

Ich rede mit meinen Kindern. Ich erkläre ihnen, warum sie jetzt zuerst Brot mit Tomaten essen sollen, bevor sie ein Stück Schokolade bekommen. Ich erkläre ihnen, warum sie jetzt keine zweite Schokolade haben können. Ich erkläre ihnen, dass ihnen schlecht wird, wenn sie zu viel Süßes essen und dass sie danach Bauchschmerzen bekommen. Dass es gut ist, wenn sie zuerst etwas festes im Magen haben. Und glaubt es mir oder nicht: Aber mein Großer ist mittlerweile so weit, dass er es versteht und auch selber umsetzt. Er ist soweit, dass er nicht jedes mal einen Nervenzusammenbruch im Supermarkt bekommt, wenn er jetzt gerade nicht das bekommt, was er gerade gesehen hat. Ich erkläre ihm, dass er das Überraschungsei jetzt nicht haben kann, weil er diese Woche schon Eines hatte. Weil er nicht jeden Tag ein Überraschungsei haben kann, weil es dann nichts besonderes mehr ist. Ich erzähle ihm, dass ich als Kind nicht so oft Überraschungseier hatte und dass es eher die Ausnahme war. Ich erzähle im Geschichten. Und er versteht sie. Mit drei einhalb Jahren. Und wisst ihr was er dann macht? Er legt das Ei zurück und sagt mir: OK Mami. Aber nächstes Mal wenn wir herkommen, darf ich mir dann was anderes aussuchen?

Und das macht er in den verschiedensten Lebenslagen. Weil ich mir einfach irgendwann mal fest vorgenommen habe: Ich sage meinen Kindern nicht einfach “darum nicht”, wenn es etwas nicht haben kann oder etwas nicht machen kann. Weil Kinder lernen wollen. Sie wollen die Welt verstehen. Sie wollen die Dinge erklärt bekommen. Kinder sind nicht dumm – ganz im Gegenteil.

Ich habe ihm vor kurzem erklärt – nachdem er seinen vierten Fidget Spinner (die ich ja ursprünglich komplett vermeiden wollte)  von seinem Opa bekommen hatte – dass er jetzt Keine mehr bekommen würde. Pause. Er wurde ziemlich wütend und meinte, dass ihm Opa aber Eines versprochen hätte. Ich habe auch mit Opa darüber geredet, der aber seinem Enkelkind jeden Wunsch von den Augen ablesen will. Ich habe Mark erklärt, dass es nicht richtig ist, jedes Mal wenn man in ein Geschäft geht ein Spielzeug zu kaufen. Ich habe versucht ihm zu erklären, dass diese Dinge Geld kosten – sofern er dieses überhaupt schon verstanden hat – und dass Geschenke etwas Besonderes sein sollten. Dass es ja überhaupt keinen Spaß mehr macht sich etwas zu kaufen, wenn man sich sowieso jedes Mal, wenn man in’s Geschäft geht sich das holt, was man gerade haben will. Ich habe ihm in meiner Verzweiflung versucht zu erklären, dass es Kinder gibt, die gar keine Fidget Spinner haben und dass er schon 4 hat. Dass es Kinder gibt, die kein Geld haben sich so etwas zu kaufen und dass man auch dankbar sein sollte für das was man hat und sich auch mal länger an einer Sache erfreuen sollte. Nicht nur bis zum nächsten Shopping Center Besuch. Ich hatte wirklich das Gefühl er will nicht. Er sagte zu mir: Aber Opa hat mir eines versprochen. Also hatte ich es aufgegeben.

Und wisst ihr was passiert ist: Als wir dann zwei Tage später zu Oma und zu Opa gefahren sind haben diese gemeint, dass sie heute zusammen einkaufen fahren würden. Und Mark sagte zu ihnen: “Aber heute kaufen wir keinen Spinner mehr. Mama hat gesagt, dass wir jetzt Pause damit machen. Aber zum Nikolaus, da wünsche ich mir einen Orangen! Bis dahin machen wir aber Pause. Ok, Opa?”

Wisst ihr was für ein Gefühl das als Mama für mich war? Ich hätte platzen können vor Stolz. Weil er es verinnerlicht hatte. Er hatte etwas gelernt. Aus einem Gespräch. Und ja, ich habe mir an diesem Nachmittag den Mund fusselig geredet und dachte wirklich, er trotzt einfach nur. Es war anstrengend und am liebsten hätte ich auch einfach nur gesagt: “Weißt du was? Aus jetzt. Du bekommst jetzt Keinen mehr und Aus!” Aber er hatte es verstanden.

Und das kann man halt wirklich auf jede Lebenssituation umwandeln.

Ja, ich rede mit meinen Kindern. Ich erkläre ihnen die Welt. Sie ernähren sich gesund, dürfen aber auch Schoki essen. Wir schlafen alle 4 in einem Bett. Ich lege sie jeden Abend schlafen und seit einigen Wochen haben wir es geschafft, dass sie sogar mit Papa schlafen gehen. Sie müssen nicht alleine schlafen gehen. Sie müssen sich nicht in den Schlaf weinen, damit ich um 19:00 meinen wohlverdienten Feierabend habe. Ja, mein Großer bekommt noch die Flasche. Ich hatte sie auch bis ich 5 war und es hat mir nicht geschadet. Ja, sie dürfen Youtube schauen. Sie werden mit Geschenken überhäuft und mit Kuscheleinheiten verwöhnt. Ich habe meinen Großen in den Schlaf getragen, bis er bereit war im Bett einzuschlafen. Ich halte seine Hand, wenn er sie beim Einschlafen braucht. Wir hatten kaum Töpfchentraining. Ich hatte nichts dagegen, dass er mit zwei einhalb Jahren noch eine Windel trug. Denn ich dachte mir: hey, sobald er es versteht, wird er sie selber nicht mehr brauchen. Und genau so war es. Nach wenigen Tagen ohne Windel, brauchte er sie gar nicht mehr. Nicht mal Nachts. Denn er hatte es selbst verstanden, warum er jetzt nicht mehr da rein machen soll.

 Ja, ich bin manchmal auch streng. Ich sage trotzdem öfter mal Nein. Ich verliere auch oft die Geduld. Ich sage auch schon mal unangebrachte Dinge. Weil ich ein Mensch bin. Mit Fehlern. Aber eines ist das Wichtigste: ICH LIEBE SIE ÜBER ALLES UND WILL IHNEN DIE SCHÖNSTE KINDHEIT SCHENKEN, DIE SIE BEKOMMEN KÖNNEN.

Und deswegen mache ich alles, wie es mir mein Herz erlaubt. Ich denke darüber nach, wie sich mein Kind fühlt, wenn ich es jetzt anschreie und überlege mir, ob das nun wirklich nötig war. Ich denke darüber nach, ob es überhaupt versteht, wenn ich es jetzt “bestrafe” oder ob ich damit nur noch mehr Gegenwehr erzeuge?!

Und solange man sein Kind mit Liebe und Respekt begegnet, kann man gar nichts falsch machen.

Dann beraubt man sein Kind auch nicht seiner Kindheit, zieht keine Hitlers und Nazis groß und zeigt ihnen auch keine Gewalt.

Ich hoffe einige von euch konnten meinen Gedankengängen folgen! <3 Und noch viel mehr hoffe ich, dass einige Eltern etwas aus diesem Beitrag mitnehmen konnten.

XoXo,

Eure Trendmum

5 thoughts

  1. Liebe Paula, danke fürs Verlinken und schön, dass unser Instagram “Gespräch” von gestern auch dich inspiriert hat! 🙂 Es ist wie du sagst, wir alle müssen unsere eigenen Wege finden, jene, die zu uns und unserer Familie passen. Wege, die wir gern gehen – nicht, weil sie immer einfach sind, sondern weil sie sich gut anfühlen. 🙂 Passend zu deinen Zeilen musste ich an einen meiner Artikel denken, vielleicht ergänzt er deine Gedanken ganz gut: http://www.mini-and-me.com/erziehungsmethoden-warum-attachment-parenting-unerzogen-und-co-nicht-reichen-ueber-neue-wege-und-wahre-begegnung/ 🙂 Alles Liebe!

  2. Hallo Trendmum, das trifft den Nagel so dermaßen auf den Kopf! Ich kann nur zustimmen und sage Danke, dass jemand diesen eigentlich längst überfälligen Artikel geschrieben hat!
    Mir geht es seit Wochen oder eher schon Monaten genau wie dir. Ich schlage mich mit “unerzogen”-Beiträgen und -Tipps rum, bin aber nicht glücklich damit.
    Und es ist eben wie du sagst, es gibt keine Bedienungsanleitung für das eigene Kind. Die müssen wir uns schon selbst stricken.
    Bei uns läuft es übrigens ganz ähnlich wie bei euch: zu viert in einem Bett, niemand muss alleine einschlafen, Ernährung ist wichtig (bin Oecotrophologin von Beruf) aber es gibt auch Süßes (aber doch nicht vor dem Frühstück; -).
    Ja, und ich erkläre auch immer, wenn ich Nein sagen muss, da ich es früher als Kind hasste mit “weil ich es sage – basta” abgespeist zu werden.
    Mein Großer wurde vor 2 Wochen 3 Jahre alt und es ist nicht immer einfach, die Dinge so zu erklären, dass er es versteht, aber auf jeden Fall besser als nichts zu erklären. Töpfchentraining gibt’s bei uns auch nicht. Er will zuhause jetzt immer öfter keine Windeln mehr tragen. Ich find es gut, auch wenn er schon 3 ist. Dafür gab es auch noch keinen Unfall.
    Alles Gute euch!
    Freu mich, wieder mal was von dir zu lesen!
    Grüße, Anja

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