#achtsamkeit – Warum gesagte aber auch ungesagte Sachen das Selbstbewusstsein deines Kindes zerstören können

Meine liebe Leserinnen und Leser,

dass gesagte Dinge Menschen stark verletzen können, das wissen wir alle. Man kann mit Wörtern verletzen, ja sogar die Zukunft eines Menschens komplett beeinflussen. Ja, gesagte Wörter können Kriege auslösen.

Doch wie steht es mit dem Ungesagten?

Was ich damit meine? Fehlender Lob an passender Stelle, fehlende Anerkennung, fehlendes Interesse.

Ich schaue mir liebend gerne Biographien an. Netflix bietet da eine Menge an Serien an, die wirklich interessant sind. Ich liebe die Serie “The Chef’s Table” und auch “Abstract” könnte ich mir jeden Abend anschauen. Biographien und Lebensgeschichten von erfolgreichen Menschen. Seien es Köche, Restaurantbesitzer, Architekten, Künstler oder Designer.

Und wisst ihr, was viele über ihre Kindheit sagen? Dass sie immer das Gefühl hatten, dass sie es ihren Eltern nie etwas Recht machen können. Dass sie um die Aufmerksamkeit ihrer Eltern kämpfen mussten, dass sie immer unter Leistungsdruck standen. Manche, deren Eltern nicht mehr lebten meinten, dass sie es schön finden würden, wenn ihre Eltern jetzt sehen könnten, wo sie jetzt angekommen ist. Und sie sich fragen, ob ihre Eltern nun endlich stolz auf sie sein könnten?

Schrecklich, oder? Dass Menschen so um die Anerkennung und das Interesse Anderer kämpfen müssen?

Diese Worte haben mich stark geprägt und ich habe lange darüber nachgedacht. Ja, auch ich stand als Kind oft unter Leistungsdruck und ohne dass mich meine Eltern zum Beispiel gedrängt hätten die Beste in der Klasse zu sein, hatte ich oft das Bedürfnis meinen Eltern etwas beweisen zu wollen. Und wenn dann nur so etwas wie “Bravo” zurück kam, war mir das zu wenig. Warum? Ich wollte mehr Aufmerksamkeit.

 

Kinder und die Anerkennung ihrer Eltern

Ich weiß, dass es sich in manchen Situationen blöd anfühlt zu viel Lob zu geben. Für kleine Dinge eine große Lobrede zu halten, muss ja nicht immer sein. Aber es gibt halt einfach Momente, Ereignisse, an denen sollte man sich mal überlegen, ob vielleicht mehr Anerkennung angebracht wäre?

Nehmen wir ein einfaches Beispiel: Mark nimmt sich ein Blatt Papier und beginnt vor sich hinzuzeichnen. Als er fertig ist kommt er zu mir und zeigt mir stolz seine Zeichnung. Es ist klar, dass ich jetzt nicht jeder Zeichnung eine minutenlange Lobeshymne widmen kann, darauf will ich auch gar nicht heraus. Aber ich schaue mir schon jede seiner “Gemälde” genau an und lobe ihn dafür, denn ich weiß, es ist für ein Kind nicht selbstverständlich einen runden Kreis zu zeichnen. Ich schaue mir sein Werk also an und merke, dass er mit drei Jahren komplett allein, ohne meine Aufsicht “MARK” auf die Zeichnung geschrieben hatte. Ich habe ihn also angeschaut und irgendwie konnte ich es ihm ansehen, dass er wollte, dass ich es bemerke. Natürlich hatte ich es bemerkt und war komplett überwältigt. Also habe ich mir Zeit genommen und nicht nur “Bravo Mark!” darauf gesagt, sondern habe ihm gezeigt, wie stolz ich auf ihn bin. Wie toll ich es finde, dass er das ganz alleine gemacht hat und wie schön gerade er die Linien der Buchstaben gemalt hat.

Ein anderes Beispiel: Mark sitzt da und singt leise vor sich hin. Dabei bemerke ich, dass er ein Lied, das ich ihm gestern das erste mal vorgesungen habe komplett fehlerfrei vor sich hin singt. Also spreche ich es an. Ich zeige ihm, wie schön ich es finde, dass er mir zuhört, dass er mitdenkt, wenn ich mit ihm singe und zeige ihm auch dass ich es nicht selbstverständlich finde, dass er das Lied heute schon auswendig kann.

Ein letztes Beispiel: Die Jungs sitzen im Wohnzimmer und spielen miteinander, während ich in der Küche das Abendessen vorbereite. Die kleinen Sachen räume ich eigentlich immer weg, damit sie David nicht verschlucken kann. Irgendwie hat er aber doch noch einige kleine Dinge, die von Marks Legefigur abgegangen waren gefunden. Also höre ich wie Mark ihm erklärt, dass man das nicht in den Mund nehmen darf. Dass es Aua machen könnte. Als er merkt, dass sein kleiner Bruder nicht auf mich hört kommt er also zu mir und erklärt mir, dass er Angst hat, dass David die Teile verschlucken könnte. Ich fand es einfach so toll, dass Mark aufmerksam genug war das zu bemerken und dann auch noch zu handeln. Schließlich hätte es ihm egal sein können und er hätte einfach weiterspielen können. Stattdessen hat er aufmerksam seinen kleinen Bruder beobachtet und dafür gesorgt, dass nichts passieren kann. Klar muss so etwas gelobt werden. Deswegen habe ich Mark auch gesagt, wie schön ich es finde, dass er so aufmerksam ist und auf seinen kleinen Bruder Acht gibt.

Diese Anerkennung braucht ein Kind. Diese Aufmerksamkeit spornt einen dazu an eine gute Sache wieder zu machen, weiter zu machen und auch Freude dabei zu haben. Klar kann auch ungeteilte Aufmerksamkeit dazu anspornen weiter zu machen. Aber in welcher Form? Unter Druck, unter psychischer Belastung und mit dem Wissen, dass es gut ausgehen muss, damit meine Eltern stolz auf mich sein können.

Ausserdem finde ich die Vorstellung, dass ein Kind es erfahren muss, dass seine Eltern nicht stolz auf ihn sein können einfach nur herzzerreissend. Denn selbst wenn ein Kind sich nicht so entwickelt hat, wie es sich die Eltern für ihn gewünscht haben, selbst wenn ein Kind Fehler auf seinem Weg macht, selbst wenn er seinen Weg erst finden muss, so muss er doch immer wissen, dass seine Eltern es bedingungslos lieben und niemals enttäuscht von ihm sind. Und selbst wenn es nur der Wille eines Jugendlichen ist aus einer miserablen Situation rauszukommen: Sei stolz auf diesen Willen. Sei für dein Kind da. Begleite es. Zeige ihm deine helfende Hand. Nur so kann ein Kind wirklich glücklich sein.

 

 

XoXo,

deine Trendmum

One thought

  1. Damit hast du so unglaublich Recht! Ich lobe meine kleine Laura mit ihren 6 Monaten schon ganz viel und manchmal komme ich mir dabei echt affig vor. ABER ich bin ganz sicher, dass für sie diese Anerkennung und Achtsamkeit meinerseits total wichtig ist, immerhin bin ich ihre “Leitfigur”. Außerdem bin ich auch der Überzeugung, dass Kinder, die viel gelobt werden, später nicht, in welche Richtung auch immer, extrem ausbrechen. Sie haben nicht das Bedürfnis in Extreme zu verfallen, um die Aufmerksamkeit zu bekommen, die sie sich wünschen.

    Liebe Grüße
    Jenny von http://www.fitandsparklinglife.com

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