#workingmom – Wenn das Teilzeit arbeiten gehen plötzlich mit dem Abschieben der Kinder gleichgesetzt wird

Hello meine Lieben,

vor kurzem erst habe ich einen Beitrag geschrieben, warum eine Vollzeitmami genau so viel zu tun hat, wie eine berufstätige Mami.

Dieser Beitrag ist der meistgeklickteste Beitrag auf dem Blog und der am meist kommentierte Beitrag auf Facebook. Die Mütter nehmen sich bei diesem Thema gegenseitig richtig auseinander. Es wird geschimpft, aufeinander herabgeschaut und die Meinungen über dieses Thema könnten nicht unterschiedlicher sein.

Ich selber bin eine sogenannte “working mom”. Allein dieser Ausdruck wurde heiß diskutiert, denn er würde ausdrücken, dass eine Mama, die keinem bezahltem Beruf nachgeht, nicht arbeitet.

Ich möchte hier zur Einleitung gleich nochmal meine Meinung klarstellen: Ich bin eine berufstätige Mutter und bin jedes mal gleich nach der einjährigen Karenz wieder arbeiten gegangen. Ich bewundere jede berufstätige Mutter und kann den Wunsch gleich wieder ins Berufsleben einzusteigen total nachvollziehen. Ich bewundere aber genauso diese Mütter, die sich bewusst dagegen entschieden haben. Die ihr ganzes Leben ihren Kindern widmen und sich nur ihrer Familie hingeben.

Was ich nicht nachvollziehen kann ist aber diese Einstellung, die im deutschsprachigem Raum stark verbreitet ist, dass das arbeiten gehen der Mama nach einer sogar langen einjährigen Karenzzeit mit dem “Abschieben” der Kinder gleichgesetzt wird. Dass Müttern Aussagen wie: “Wenn du es dir finanziell nicht leisten kannst mindestens 3 Jahre zu Hause zu bleiben, dann hättest du besser keine Kinder bekommen sollen!” an den Kopf geschmissen wird. Dass es heißt man wäre Karrieregeil, wenn man den Wunsch hat sich auch als Mutter noch beruflich weiter zu entwickeln. Und ich rede hier nicht davon, dass Mamas gleich nach der Geburt wieder arbeiten gehen. Ich rede nicht davon, dass die Mütter von 07:00-20:00 täglich arbeiten gehen. Nein – ich spreche hier von einem 20-stündigem Teilzeitjob, wo die Mama immer noch den ganzen Nachmittag mit den Kindern verbringt.

Zu oft habe ich es erlebt, dass ich unglaubwürdige Gesichter gesehen habe, wenn ich erzähle, dass mein 1,5-jähriger Sohn in einer Krabbelgruppe ist. Wie kann man nur? Wie kann man es seinem Kind antun, dass man ihn nicht rund um die Uhr betreut?

 

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Ich habe das Gefühl, dass manche Frauen – und es ist tatsächlich so, dass sich hier eher Frauen sich gegenseitig mit Dreck bewerfen – einfach viel zu verwöhnt von unserem sozialem System sind. Dass ständig von Gleichberechtigung gesprochen wird, hier aber doch dann der Wunsch kommt, nicht mehr arbeiten zu müssen, da der Mann schon das Geld nach Hause bringen sollte. Ich habe das Gefühl, dass Manche sich gerne hinter einer Mutterrolle verstecken wollen.

Nirgendwo sonst, wie in unserem deutschsprachigem Raum wird dieses Thema so heiß und kontrovers diskutiert.

In den USA zum Beispiel, hat man per Gesetz 12 Wochen Anspruch auf eine unbezahlte Karenzzeit. Es steht dem Arbeitgeber frei bessere Konditionen für seine Mitarbeiterinnen zu schaffen, jedoch ist dies absolut keine Pflicht. Viele der Chefs bestehen sogar darauf, dass die Frauen nach 12 Wochen wieder zurück in den Job kommen. Teilzeit? Das muss der Arbeitgeber auch erst genehmigen. Denn oft werden die 12-Wochen alten Babies gleich in eine ganztägige Daycare gesteckt.

In der Schweiz gehen viele der Frauen nach 14 Wochen wieder arbeiten. Danach hat man keinen gesetzlichen Anspruch auf Mutterschaftsurlaub mehr.

In Belgien haben wir einen Mutterschaftsurlaub von 6 Monaten. In Griechenland und Irland eine 3,5-monatige  Karenzzeit.

Österreich liegt Europaweit an der Spitze!

Sogar in den 80er und 90er Jahren war es weit verbreitet, dass Frauen schon zeitig wieder arbeiten gingen.

Ständig wird von Empowerment gesprochen, von Gleichberechtigung für Frauen und trotzdem geht der Trend in Richtung “Ich entscheide mich dann doch lieber für das Hausfrau und Mutter sein…!”

Und genau das finde ich absolut nicht schlimm. Nein, ich kann es total nachvollziehen. Dann aber bitte auch die andere Seite sehen.

Ja – ich gehe gern arbeiten. Ich entwickle mich gern weiter. Ich studiere gern, auch wenn ich bereits Mama bin. Und nein, ich finde es nicht schlimm, dass mein einjähriger Sohn bereits fremdbetreut wird.

Denn ich bin immer noch seine Mama. Ich bin täglich für ihn da. Ich lege ihn täglich schlafen. Ich verpasse absolut nichts an seiner Entwicklung. Ich trage es mir im Kalendar ein, wenn er einen Meilenstein erlebt hat und fiebere mit ihm gemeinsam neuen Meilensteinen entgegen. Ich freue mich mit ihm, wenn er Dinge erlebt, die ihn glücklich machen und ich leide mit ihm, wenn er Schmerzen hat. Ich habe seine ersten Schritte miterlebt. Ich beobachte seine sprachliche Entwicklung. Er springt mir in die Arme, wenn er mich sieht. Er kuschelt Abends mit mir. Wir lesen gemeinsam Bücher. Ich mache ihm täglich frisches, selbstgekochtes Essen. Ich bade ihn täglich. Ich bin da, wenn er sich verletzt. Ich tröste ihn. Ich bringe ihm neue Wörter bei. Ich gehe mit ihm spazieren und bringe ihn so oft wie möglich zusammen mit seinem Bruder zum Spielplatz.

Ja – all das machen wir täglich. Und ich musste mich daher nicht entweder für das Mama sein oder für die “Karriere” entscheiden.

Ich habe das Beste aus unserer Situation gemacht.

Babylein liebt es gemeinsam mit seinem Großen Bruder in der Familiengruppe aufzuwachsen. Und mein Großer liebt es seinen kleinen Bruder seinen Freunden vorzustellen und seinen Beschützer zu spielen. Ich habe viel Unterstützung, sowohl von meinem Mann, meinen Schwiegereltern und meiner Familie.

Ratet Mal: Meinen Kindern fehlt es an Nichts. Nein – ich habe meine Kinder nicht abgeschoben, weil ich mich dazu entschlossen habe Teilzeit arbeiten zu gehen.

XoXo,

eure Trendmum

 

 


 

 

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4 thoughts

  1. Super geschrieben! Ich finde ja eher, jede Mama ist eine fulltime-mami (daher auch der Name meines Blogs), die eine mit „Nebenjob“, die andere ohne. Denn niemand hört ja in der Arbeit auf Mama zu sein 😉!

  2. Hallo, ich kann das absolut nachvollziehen, was Du so schreibst. Ich habe mich glücklicherweise nie wirklich rechtfertigen müssen, als Mutter arbeiten zu gehen. Mein Weg war eh noch mal ein anderer, denn ich habe noch studiert als ich meinen Sohn vor fast 13 Jahren bekommen habe und mein Diplom gerade geschafft als ich meine Tochter bekam vor 9 Jahren. Beide Kinder sind mit 1,5 Jahren in die Kita gegangen…heute habe ich zwei wunderbare, aufgeschlossene, mutige und selbständige Kinder. Ohne schwere Störungen oder Ähnlichem, nur weil sie ganztägig betreut wurden. Ich habe zwar auch Teilzeit gearbeitet, aber auch aus finanziellen Gründen meistens mindestens 30 Stunden. Und auch, weil ich es gerne tue und eben nicht “nur” Mutter sein will. Ich bewundere durchaus die Frauen, die zu Hause bleiben aus freien Stücken, manchmal habe ich sie sogar beneidet, aber mittlerweile bin ich absolut mit mir im Reinen. By the Way…natürlich haben sie auch einen Vater, der sich eben so wie ich um sie gekümmert hat (die werden bei solchen Diskussionen ja häufig vergessen), der selbständig ist…was neben großer Flexibilität aber auch einige Nachtschichten zur Folge hatte…tja…ich denke, jeder sollte sein Leben so gestalten, wie ihr/ihm es gefällt und es auch allen anderen zugestehen!
    Liebe Grüße aus Berlin

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