#inperfectharmony – Über Blogger, die alles gratis haben wollen und millionenschweren Unternehmen, die kein Budget haben

Hello meine Lieben,

ich schreibe heute über ein Thema, das die Meisten von euch schon nicht mehr lesen können und trotzdem sind alle immer noch neugierig, wie das Bloggen so funktioniert und ob man wirklich Geld damit verdienen kann.

Vor einigen Wochen, machte eine Bloggerin durch ihre Anfrage über kostenlose Übernachtungen bei einem Hotelbesitzer auf sich aufmerksam. Der Hotelbesitzer veröffentlichte anschließend diese Mail und seine recht unverschämte Antwort auf seinen Social Media Kanälen und die Presse machte einen riesen Zirkus darum.

Woher mir der Name des Hotels so bekannt kam ist mir aber erst einige Tage später klar geworden. Seine Followerschaft – auf die er in der Mail an die Bloggerin verwies – erhielt der Hotelbesitzer nämlich selbst von einer sehr bekannten Mamabloggerin und Youtuberin. Das hat er aber verabsäumt zu erwähnen und wurde bisher auch nicht wirklich bekannt. Ich habe es zufällig herausgefunden, da ich diese Youtuberin schon seit Jahren abonniert habe und fleissig ihre Vlogs schaue. Ja – sie machte ihn bekannt. Eine Bloggerin. Ironisch, oder?

 

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Doch zurück zum Bloggen als Berufsstand

Ich habe das Gefühl es gibt ein großes Unverständnis dafür, dass man für das Bloggen überhaupt Geld verlangen kann und es gibt so überhaupt kein Gefühl dafür, was ein Beitrag eines Bloggers überhaupt Wert ist.

Zugegeben, bevor ich selber richtig in das Blogger-Dasein geschlittert bin, hatte ich selber keine Ahnung davon wieviel Arbeit in einem professionell betriebenen Blog steckt. Schnell mal einen Beitrag schreiben, hochladen und fertig, dachte ich. Leicht verdientes Geld. Aber gehen wir einen Schritt zurück. Dass man damit überhaupt etwas verdienen kann wusste ich zu Beginn ja nicht einmal. Das kam erst mit der Zeit. Bevor ich überhaupt einen Cent von irgendeinem Unternehmen gesehen habe, habe ich 2 Jahre tägliche Arbeit in mein Baby gesteckt. 2 Jahre lang habe ich ungefähr 20-30 Stunden pro Woche in meine Social Media Kanäle gesteckt, an meinem Design gearbeitet, Fotos gemacht, Beiträge geschrieben. Arbeit, die nie jemand gesehen und bemerkt hat. Die keiner honoriert hat.

Als ich mir dann aber langsam einen Namen in der Branche gemacht habe, als die Marketing und PR-Leute langsam angefangen haben meinen Namen zu kennen, als ich dann meine ersten Interviews gegeben habe, kamen die ersten Aufträge. Als das ganze Werkl sozusagen angefangen hat zu laufen, kam auch die eigentliche Arbeit. Einen Blog zu betreiben bedeutet dran zu bleiben. Zu wissen, was wollen deine Leser sehen. Zu wissen, wie kann ich meine Leser halten? Nur weil ich diesen Monat 100.000 Leser hatte, bedeutet das nicht, dass ich diese auch nächsten Monat noch habe.

Doch was macht ein Blogger eigentlich so? Was arbeitet ein Blogger so viel?

Eigentlich bin ich es schon so richtig satt darüber zu sprechen. Dennoch gibt es immer noch – wo alle großen und sogar kleine Firmen heutzutage Blogger für die Vermarktung von Produkten beauftragen – so ein großes Unverständnis dafür, was die Arbeit eines Bloggers überhaupt ist.

Meist beginnt ein Auftrag mit einer Kooperationsanfrage. Oft sitze ich länger beim Mails beantworten, als beim tatsächlichen Bloggen. Ich würde sagen, dass mir viele BloggerInnen zustimmen können, dass der kaufmännische Teil ein großer Teil der Arbeit ist. Als nächstes wird dem Unternehmen ein Mediakit – das monatlich aktualisiert wird – zugesendet, in dem man dem Unternehmen seine Reichweiten aufzeigt. Aufgrund dessen macht man dem Unternehmen ein Angebot. In 95 % der Fälle kommt dann eine Woche später die Antwort, dass das Unternehmen ja eigentlich ganz am Anfang steht und kein Budget für die Veröffentlichung von Beiträgen auf dem Blog, auf Instagram, Pinterest und Facebook zur Verfügung stehen würde. Man dachte sich, dass es ja genügen würde, wenn man dem Blogger ein Produkt, das im Einkauf zwischen 5-20 Euro kosten würde zusenden kann und dieser soll dann darüber schreiben.

 

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Dass hinter jedem Advertorial aber ungefähr 10-15 Stunden Arbeit steckt, sehen die Wenigsten. Es müssen Bilder gemacht werden, die man vor Allem in der Winterzeit nur zu bestimmten Zeiten machen kann, denn keiner will schlechte Bilder für seine gratis Produkte haben, diese müssen anschließend bearbeitet werden, zwischen Geräten hin- und hergeschickt werden, hochgeladen werden, ein Beitrag an dem man oft mehrere Stunden sitzt muss verfasst werden, dieser muss so angepasst werden, dass er von Suchmaschinen gefunden wird, die Links müssen angepasst werden, Beschreibungen müssen hinterlegt werden und diese Beiträge müssen anschließend auch gepostet werden. Es klingt so, als wäre es ein einfacher Prozess. Aber allein die fertigen Beiträge auf den ganzen Kanälen hochzuladen dauert oft eine ganze Stunde. Denn auch Texte für die Bilder müssen konzipiert werden. Denn sind die Texte schlecht geschrieben, will sie keiner lesen. Und schon sind die Kunden unzufrieden und machen einen darauf aufmerksam, dass der Post dieses Mal 100 Likes weniger hatte als sonst. Ach, und richtig gekennzteichnet muss auch werden, sonst verärgert man seine Follower. Eigentlich verägert man sie auch, wenn man richtig markiert, denn keiner will Werbung sehen. Warum sollte jemand für einen Instagrampost auch Geld oder ein gratis Produkt bekommen? Das ist doch keine Arbeit!?

Achso – eines habe ich vergessen. Man muss die Beiträge noch auf Pinterest streuen um die maximale Reichweite zu erreichen. Also muss von jedem Beitrag noch ca. 10 Pinterstgrafiken gemacht werden – dauert so ca. 1-2 Stunden – diese müssen anschließend in die App eingespeist werden, es müssen Hintergrundtexte geschrieben werden, man muss geheime Boards erstellen – man kann ja nicht alle 10 Bilder gleichzeitig hochladen – und anschließend ist die Arbeit für einen Beitrag beendet.

Ganz easy, oder? Könnte jeder. Oder nicht? Denn allein diese Arbeit ist ja nicht alles. Diese Beiträge müssen dann ja auch noch gelesen werden. Und am besten wäre es, wenn die Leser dann noch auf die personalisierten Links der Unternehmen klicken, sonst könnte der Eindruck enstehen, es liest keiner die Beiträge.

Aber wie kommt man zu seinen Lesern? Durch Pinterst, durch Facebook und seine Werbeanzeigen und durch Instagram. Idealerweise auch noch durch seine Newsletter die man regelmäßig ohne großen Aufwand raushaut und durch Blogabonnenten. Aber wie komme ich zu Instagram- und Facebookfollowern? Richtig: Diese Kanäle müssen ja auch noch mit gutem Content befüllt werden. Und schon fliegen einem die Follower ins Haus. Oder doch nicht?

Über die armen Unternehmen ohne Budget und ganz hohen Erwartungen am Outcome

Dass Bloggerinnen und Blogger in der Branche einen schlechten Ruf haben, ist mir natürlich gut bekannt. Nach 4 Jahren Bloggen kennt man einige Agenturchefs, PR Leute und Marketingvorstände. Man hört viele Geschichten.

Ein Leiter der Marketingabteilung einer großen österreichischen Firma meinte mal zu mir, dass wenn alle Blogger so professionell arbeiten würden, wie wir Mamablogger – ein großes Dankeschön und Lob an dieser Stelle an all meine lieben Mamabloggerkolleginnen – dann wäre die Branche eine komplett Andere.

Aus Bloggersicht habe ich aber eine ganz andere Sicht auf Unternehmen. Wenn mir Firmen, die Millionenhohe Gewinne jedes Jahr machen ein Honorar von 15 Euro (oder auch gar Nichts – ein kostenloses Produkt muss ja reichen) für einen Instagrambeitrag und 2 Instastories mit jeweils 5 Sequenzen anbieten, frage ich mich ernsthaft, ob ich in dieser Branche überhaupt noch arbeiten möchte!? Es kommen Firmen mit unverschämten Angeboten, es wird gehandelt wie am Bazar und mittlerweile habe ich eine Mauer für freche Angebote aufgebaut. Ich antworte immer höflich, breche die Verhandlungen aber noch in dem Moment ab, wo ich merke ich soll nur Mittel zum Zweck sein.

Aber was macht die Arbeit eines Bloggers denn so besonders?

Wenn ich wissen will, warum es beim Stillen bei mir nicht so richtig klappt, dann frage ich meine Freundinnen, die selber schon Mamas sind, wie das bei ihnen so war und ob es bei ihnen auch nicht so funktioniert hat, wie sie es wollten. Was aber, wenn ich keine Freundin habe, die schon Mama ist?

Ich persönlich hasse trockene, redaktionelle Artikel. Ich will Geschichten von echten Menschen. Deswegen liebe ich es selber Blogs zu lesen. Von Frauen, die ich bewundere. Von Frauen, zu denen ich mich verbunden fühle.

Viele Follower emfinden einen Influencer, einen Instagrammer, einen Blogger als eine Art Freund. Als eine Art Mentor. Sie kommen zu Einem. Ja ich habe Follower, die mich privat schreiben, was ich von ihrer Situation halte und was ich empfehlen würde.

Ein Blogger hat also eine sehr enge Bindung zu seinen Lesern im Vergleich zu einem Printmagazin.

Unternehmen investieren oft Tausende von Euros pro Monat um von Google möglichst weit vorne gelistet zu werden. Je mehr Backlinks sie also von anderen Seiten (oder Blogs) haben, desto weiter vorne werden sie von Google gelistet, ohne dass sie dafür bezahlen müssen. Beauftragen Unternehmen also ungefähr 100 Blogger mit dem Schreiben über ihre Firma ist die Wahrscheinlichkeit auf Platz 1 gelistet zu werden ziemlich groß. Und während sie bei Google Werbeanzeigen ihren Platz vorne verlieren, sobald sie nicht mehr zahlen, so haben sie mit den Backlinks aller Blogger aber die Reihung sicher, ohne dass sie Google dafür bezahlen müssen. Für Unternehmen auf lange Sicht also so eine enorme Ersparnis, selbst wenn sie jeden einzelnen Blogger fair entlohnt hätten.

Aber nicht nur, dass sie Google Werbeanzeigen umgehen. Nein, ihr Name wird bekannt. Leser werden auf den Unternehmensnamen aufmerksam. Bewusst oder Unbewusst. Sie erinnern sich an die Marke. Man stärkt also eine Brand.

Und nicht zuletzt verkaufen Blogger für Unternehmen. Denn wenn eine Bloggerin ein Produkt wirklich liebt – und nicht nur weil sie dafür bezahlt wurde – dann ist die Chance größer, dass das Produkt verkauft wird, als wenn sie irgendeinen Promi damit beauftragen es im Fernsehen in die Kamera zu halten. Is So.

Kann das wirklich jeder? Ist doch ganz einfach … Foto machen, hochladen, fertig …

Ich ermutige Jeden, der glaubt ein Blog ist easy peasy Arbeit es selber auszuprobieren. Macht es. Steckt Arbeit hinein. Macht ihr es um schnell damit Geld zu verdienen, werdet ihr an diesem Projekt bald scheitern. Macht ihr es aber aus Leidenschaft zum Schreiben, weil ihr das Bloggen liebt, macht ihr es professionell und schafft laufend guten Content, den jeder lesen will, dann habt ihr euch den Lohn dafür aber auch richtig verdient. Und auch meinen Respekt.

 

Wie seht ihr das? Wie steht ihr zu diesem Thema?

XoXo,

Eure Trendmum

 

4 thoughts

  1. Danke, vielen Dank für diesen Beitrag!
    Ich bin inzwischen täglich genervt von bekannten Unternehmen, die uns Bloggern das angeblich nicht vorhandene Budget verkaufen wollen. Oder jene, die nicht mal mehr ein gratis Produkt anbieten, sondern Produkte müssen selbst gekauft werden, aber dafür zu vergünstigten Konditionen.
    Es ist einfach schlimm geworden…

    Man darf nur dabei das Herz und die Leidenschaft am bloggen nicht verlieren, denn deshalb haben wir ja alle damit angefangen. Und manchmal muss man im Chaos der unverschämten Mails wieder back to the roots und seinen Fokus wieder auf das Wesentliche lenken.

    Nochmal danke für diesen Bericht!

    Liebe Grüße

    Yvi

  2. Sehr interessanter Einblick . Persönlich habe ich keine Ambitionen Blogger zu werden, aber es würde mich interessieren ob es Seminare gibt bei denen man mehr dazu erfahren kann? Auch zur Umsetzung … ich bin Lehrerin und eine Aufgabe die Schüler zur Matura bewältigen können sollten ist es , einen Blog Eintrag zu schreiben … irgendwie realitätsfern, da , wie du sehr schön beschreibst, ja viiiiel mehr dran hängt 😉

    1. Liebe Ulli, da kann ich dich gerne an meine Kolleginnen Daniela von http://www.diekleinebotin.at und Judith von http://www.stadtmama.at verweisen, die dieses Jahr auch eine eigene Blogkonferenz auf die Beine gestellt haben! 🙂 Ja, es hängt viel dran es professionell zu betreiben! Solltest du genaue Fragen haben kannst du mir auch gerne eine Mail mit diesen an trendmum(at)gmail.com senden! Liebe Grüße

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