#sectiomalzwei – eine Narbe, eine Geschichte und ganz viel Gefühl | über Kaiserschnittmamis und ihre natürliche Geburt

Ich erinnere mich an den Tag der Geburt meines Erstgeborenen, als wäre er gestern gewesen. Mein ganzes Leben hatte ich Angst vor diesem Tag. Die Geburt eines Kindes wird als etwas Schreckliches, als das schmerzhafteste Erlebnis deines Lebens portraitiert. Selten wird die Geburt als etwas Schönes dargestellt und so bangte ich 9 Monate lang auf diesen einen Tag zu.

Ja, ich hatte Angst, aber trotzdem genug Stärke mich zu selbst zu ermutigen und mir selbst gut zuzureden: Es wird eine natürliche aka vaginale Geburt. Du wirst das ganz fabelhaft meistern. Du wirst so stolz auf dich sein, wenn du dein Kind in den Armen hälst und ja, du schaffst es, wie so viele Frauen es vor dir geschafft haben.

Das Leben spielt aber nicht so, wie wir uns es ausmalen.

Zehn Tage über dem geplanten Geburtstermin traten bei mir um 21:00 die ersten Miniwehen ein und ich fuhr gleich ins Krankenhaus. Natürlich war ich viel zu früh dran und die Hebamme wusste nicht recht, ob sie mich wieder heimschicken soll oder nicht. Aber ich war nun mal schon 10 Tage drüber und wusste, dass mein Arzt schon für die Einleitung in den Startlöchern stand. Und keine Stunde später wurde bereits eingeleitet.

Die Wehen wurden von Stunde zu Stunde stärker und intensiver. Ja – der Schmerz war da. Aber ich habe ihn bei weitem nicht so grausam empfunden, wie er mir mein Leben lang eingeredet wurde. Ich habe ihn gut veratmet. An Schlafen war jedoch nicht zu denken. Ich wusste dass sich mein Leben in einigen Stunden für immer ändern würde.

Der nächste Tag war angetreten. Ich war weiterhin motiviert. Ich würde es schaffen. So schlimm wirds schon nicht werden. Ich werde nicht das Gefühl haben in zwei Teile zerrissen zu werden oder zu sterben. Nein, ich mach das schon.

Um 15:00 Uhr war dann der erste Moment wo ich gemerkt habe: Ich bin Müde. Ich bin seit etlichen Stunden in den Wehen. Mein Muttermund war bei weitem nicht so weit offen, dass ein Ende in Sicht ist und so habe ich mich für eine Epiduralanästhesie entschieden. Sowohl die Hebammen, als auch der Arzt waren dafür, da sie meinten ich sollte mich für 1-2 Stunden mal hinlegen und schlafen, damit ich genug Energie für die Geburt sammeln kann.

Also wurde ich noch ein letztes Mal an das CTG gehängt. Ich höre die wunderschönen Töne meines Bubens. Und plötzlich ertönt so ein komisches Geräusch. Die Hebamme läuft aus dem Zimmer, dreht sich kurz um, um mir ein Zeichen zu geben, dass eh alles in Ordnung ist, läuft aber gleichzeitig zum Arzt um ihm Bescheid zu geben, dass irgendwas nicht stimmt.

Die Herztöne meines Babys waren abgefallen. Er wollte nicht mehr.

Und so wurde ich kurzerhand in den Kreissaal geschoben. Keine 15 Minuten später hörte ich mein kleines Wunder schreien und ich war Mama geworden.

 

Kaiserschnitt und die natürliche Geburt

 

Und dann gibt es da eben die anderen Mamas. Sie haben es ohne Kaiserschnitt geschafft ein Leben in die Welt zu setzen. Manche von ihnen erzählen und  teilen gerne ihre Geschichten. Und dann gibt es eben die anderen. Die glauben Sectio-Mamis belehren zu dürfen. Ihnen zu sagen, dass sie gar nicht wissen, was eine Geburt ist, da sie es selber ja nie wirklich erlebt hätten. Ein Schnitt und fertig. Das kann ja jeder.

Es gibt Mamis, die eine Sectio als etwas Unnatürliches bezeichnen. Die Kinder hätten ein Geburtstrauma. Ausserdem könnten Sectio Mamas keine enge Bindung zu ihrem Kind finden. Sie sind Gefühlsgestört. Ihnen wurde die wundervollste Erfahrung geraubt. Sie wüssten gar nicht was Geburtsschmerzen sind.

 

Eine Sectio und ihre Folgen – Physisch, Psychisch, Emotional

Ja ich habe eine Sectio hinter mir. Nach der Geburt meines Sohnes, habe ich ihn direkt zu mir genommen. Ich durte ihn stillen. Und zwar direkt nach der Geburt. Er lag auf mir. Vom Aufwachzimmer bis hin zu unserem Krankenzimmer. Ich habe ihn gehalten, seinen Duft gerochen, habe ihn beruhigt, mit ihm geredet und war einfach nur da.

Trotz der unglaublichen Schmerzen, die ich selbst beim kleinsten Lachen verspürt haben, bin ich tapfer am nächsten Morgen aufgestanden um ihn zu mir ins Bett zu holen. Ich habe dieses Gefühl des Erstickens beim ersten Mal aufstehen ignoriert, damit ich für mein Baby fit werden kann. Ich habe mich frisch gemacht, ich habe den Schmerz weggelacht, selbt als Besuch da war um mit uns unser Glück zu teilen. Ich habe auf Schmerzmittel verzichtet, da ich Angst hatte, er könnte es über die Muttermilch mitbekommen. Ich habe mich täglich bewegt, damit ich zu Hause direkt wieder die Treppen rauf und runter gehen kann. Damit ich für mein Kind da sein kann.

Ich habe nicht gemeckert. Ich habe es niemanden schwer gemacht. Ich habe es mit Liebe gemacht.

 

Auch Wochen nach der Geburt konnte ich alltägliche Dinge nur mit Vorsicht machen. Selbst 7 Monate nach der Geburt waren Sit Ups für mich undenklich, da es überall ziehte und zwickte.

Ich habe mich in meinen Sohn von der ersten Sekunde an verliebt. Seine Augen, seine Händchen, seine Füßchen. Ich war da für ihn von Sekunde 1 und bis heute, mit seinen 4 Einhalb Jahren sind wir unzertrennlich. Gefühlsgestört? Fehlanzeige.

Ja – ich habe eine Narbe, die mich jeden Tag an diese Erfahrung erinnert. Sie ist nicht schön verheilt. Auch der Versuch beim zweiten Kaiserschnitt sie zu korrigieren ist leider gescheitert. Sie schmerzt immer wieder. Bei Wetterumschwüngen, bei einer falschen Bewegung oder einfach nur so.

Ich soll nicht wissen was ein Geburtsschmerz ist? Kann sein. Aber du liebe Mama, die keine Sectio gehabt hast, weißt nicht, was für Schmerzen nach einem Kaiserschnitt auf dich zukommen? Warum Vergleichen? Warum nicht anerkennen, dass egal auf welche Art und Weise du Mama geworden ist, die Geburt war dazu nötig.

Ich soll keine natürliche Geburt gehabt haben? Ein Geburt ist eine Geburt. Wir alle sind Mamas, egal auf welche Art wie es geworden sind.

Bindungsgestört? Ich? Mein Sohn? Von Wegen.

Liebe Mamis. Ich habe zwei Sectios hinter mir. Ich weiß was Liebe ist, ich weiß was Angst bedeutet, ich habe die selben Sorgen wie ihr gehabt. Ich weiß was Schmerz bedeutet, ich weiß was Schlafmangel bedeutet und vor Allem weiß ich was es bedeutet Mama zu sein.

Wir müssen das Leben, das wir für uns geplant haben loslassen, damit wir das Leben leben können, das für uns bestimmt es. Denn in den seltensten Fällen kommt es so, wie wir es uns gedacht haben.

 

XoXo,

eure Trendmum


 

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9 thoughts

  1. Ein toller Beitrag.
    Allerdings finde ich nicht, dass Geburten als schrecklich portraitiert werden – im Gegenteil: von vielen werden sie glorifiziert als das schönste Erlebnis, das jede Mutter haben muss. Gerade das führt ja dazu, dass man sich als „minderwertig“ fühlt, wenn man es nicht „hinbekommen“ hat…

    Ich habe eine Freundin, die es als persönliche Niederlage empfunden hat beim ersten Kind eine PDA gebraucht zu haben. Noch schlimmer war es für sie bei der zweiten Geburt, die im Notkaiserschnitt endete.
    Ich habe ein weiteres Beispiel im Bekanntenkreis, bei dem eine Hausgeburt fast schief gegangen wäre, gerade noch so das KH erreicht…
    Ich verstehe nicht, warum manche sich so schwer tun, den medizinischen Fortschritt anzuerkennen und auch mal die Vorteile zu sehen. Wenn man alleine mal sieht, wie hoch die Sterblichkeit bei Mutter und Kind bei einer Geburt in früheren Zeiten war…

    Ich selbst hatte zwei Spontangeburten, die erste mit Saugglocke, die zweite unkompliziert und schnell. Jetzt, schwanger mit dem dritten Kind, graust es mir schon vor dem nächsten mal. Es ist wunderschön wenn sie da sind, aber auf das Prozedere davor könnte ich getrost verzichten – ob mit Kaiserschnitt oder ohne. 😉

  2. Das schönste ist es sein Kind danach in den Armen zuhalten. Es ist völlig egal auf welchen Weg sie auf die Welt kommen.
    Wir sind Mamis so oder so ❤

  3. Das Ergebnis (Kind und Mama möglichst wohlbehalten) zählt! Alles andere ist ist doch unwesentlich. Und eine „Leistung“ von einem selbst ist es so oder so nicht. Es ist häufig Glück, oft automatisches Körperprogramm und der in jedem Fall rauhe Start in einen manchmal auch sehr anspruchsvollen Lebensabschnitt.

    Trotzdem, Vergleichen und Abwerten scheint immer zu gehen, manchmal auch andersrum:
    meine Schwiegermutter (2x sectio) teilte mir kurz nach der Geburt des zweiten Kindes (sehr schnell, keine PDA) mit, dass ich ja gar nicht wisse, was Schmerzen seien, da ich ja nie einen Kaiserschnitt gehabt habe. Und die Wehen seien ja gar nicht so schlimm gewesen, sie sei überrascht gewesen, dass das bisschen schon „mittlere Wehen“ gewesen sein sollten. Warum sich eigentlich alle immer so anstellen würden.
    Da war ich schon ein bisschen sprachlos. Und versucht zu rufen : “Du blöde Kuh! Übrigens sind die Wehen gegen Ende und vor allem die Presswehen und das Gefühl, wenn der Kopf endlich rauskommt, das Schlimme, nicht das Larifari vorher!“ (Ich hatte tatsächlich beim zweiten Mal großes Glück, weil das Kind nur zwei Presswehen brauchte).
    Dieses ewige Vergleichen ist echt zum K… Hey,
    es gibt keinen goldenen Mütterpokal am Ende. Alles, was man hoffen kann, ist, dass man eines Tages möglichst gesunde, stabile und zufriedene Menschlein in eine Welt entlässt, in der sie gut zurechtkommen und die sie möglichst sinnvoll mitgestalten, und dass man vorher und nachher auch viel Spaß miteinander hat und gemeinsame Zeit genießen kann.

    1. Liebe Hustentropfen,

      Wenn du schreibst, die presswehen und der Durchtritt des Kopfes seien das schlimmste, nicht „das Larifari vorher“ wertest du selbst ganz ordentlich ab, was manche Mütter schon vor den Presswehen leisten und genauso die Leistung aller Mütter, die am Ende doch eine Sectio bekommen müssen. Jede Geburt ist anders, jede Frau ist anders. Was die eine als „Larifari“ empfindet, ist für die andere schon sehr schmerzhaft. Es ist natürlich nicht in Ordnung, wie deine Schwiegermutter deine Leistung herabwürdigt. Deine Antwort aber ist genau das Gleiche.

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